Transformation 180 Grad

Willkommen im Treibhaus!

2023 war global das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Darin stimmen sämtliche Datensätze der Oberflächentemperaturen überein.


Jährliche globale mittlere Temperaturanomalien (relativ zu 1850–1900) von 1850 bis 2023. Die Daten stammen aus sechs Datensätzen.

 

 

 

 

 

Grafik: Weltorganisation für Meteorologie (WMO), State of the Global Climate 2023

 

10 unbequeme Wahrheiten

  • Die Erwärmung im Klimasystem ist eindeutig. Der Einfluss des Menschen auf das Klimasystem ist klar. Hauptursache der Erwärmung ist die Freisetzung von Treibhausgasen, insbesondere von Kohlendioxid durch den Einsatz fossiler Energien. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist heute so hoch, wie noch nie zuvor in den zurückliegenden 800.000 Jahren.
  • Die Beschränkung des Klimawandels erfordert substantielle und langfristige Reduktionen der Emissionen von Treibhausgasen. Je stärker die 2°C-Obergrenze ggü. vorindustriellem Niveau überschritten wird, desto gravierender werden die Folgen sein. Die bisher absehbaren Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasen und damit zur Eindämmung des Klimawandels reichen auf allen Ebenen nicht aus. Das gilt auch für die Stadt Chemnitz.
  • Die globale Temperatur verhält sich proportional zu den totalen CO2-Emissionen seit vorindustrieller Zeit.  D.h., jedes Temperaturziel entspricht einer maximalen kummulativen Menge CO2. Die globale kummulative Menge CO2 zur Einhaltung des  2-Grad-Limits mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 66 Prozent ist bereits zu über zwei Drittel ausgestoßen. Zur Einordnung dieser abstrakten Zahl: wären die derzeitigen deutschen jährlichen Pro-Kopf-Emissionen beim Treibhausgas CO2 der globale Pro-Kopf-Durchschnitt, dann wäre das gesamte globale Kohlenstoffbudget bereits in weniger als 15 Jahren aufgebraucht. Mit seinen global betrachtet hohen CO2-Emissionen ist Deutschland entgegen der Selbstwahrnehmung kein Vorbild. Für das Einhalten des 1,5 Grad-Limits enthält der Sonderbericht des IPCC vom Oktober 2018 ein globales Budget von 420 Gt CO2 ab dem Jahr 2018. Das Budget korrespondiert mit 540 Gt CO2 ab dem Jahr 2015, da in den Jahren 2015, 2016 und 2017 global jeweils ca. 40 Gt CO2 ausgestoßen wurden. Nimmt man das Jahr des Pariser Klimaübereinkommens als Basis und berücksichtigt, dass Deutschland ein Anteil des Rest-Budgets in Höhe des Bevölkerungsanteils im Jahr 2015 zusteht (= 5.940 Mio. t CO2 entsprechend 1,1 % Bevölkerungsanteil), dann ergibt sich, dass bei einer linearen Verminderung das deutsche Budget im Jahr 2027, d. h. in acht Jahren verbraucht sein wird! Es ist offenkundig, dass eine CO2-Minderung in Fortschreibung des Trends, abgeleitet aus dem Zeitraum 2000 - 2017, zur vollständigen Verfehlung der Minderungsnotwendigkeiten führt. Man darf annehmen, dass insbesondere die meisten Politiker gar nicht verstanden haben, welche gravierende CO2-Minderung als deutscher Beitrag  notwendig ist, wenn das 1,5-Grad-Limit eingehalten werden soll.
  • Die Chemnitzer CO2-Emissionen wurden und werden durch die des Heizkraftwerkes Nord dominiert. Die auf Braunkohle basierenden Strukturen sind Ergebnis von getroffenen Entscheidungen. Da neben den aktuellen auch die historischen Emissionen sehr relevant für die zukünftige Erderwärmung sind, tragen die vergangenen und gegenwärtigen Entscheidungsträger (Geschäftführungen, Aufsichtsrat, Politik) eine Mitschuld an dem Beitrag der Stadt Chemnitz zum bereits eingetretenen sowie zum zukünftig fortschreitenden Klimawandel.
  • Aber auch die Kunden des derzeitigen Energieversorgers eins bzw. der früheren Stadtwerke Chemnitz AG tragen dazu bei, dass die auf dem klimaschädlichsten Energieträger - der Braunkohle - basierenden Strukturen schon so lange Bestand haben. Obwohl ein Anbieterwechsel zu einem Unternehmen, dessen Geschäftsmodell nicht darauf beruht, die Atmosphäre als Gratis-Müllhalde für Kohlendioxid zu missbrauchen, heutzutage sehr einfach ist, machen zu wenige Kunden davon Gebrauch.
  • Wer immer noch glaubt, die vom Unternehmen eins betriebene Energieversorgungsstruktur wäre umweltfreudlich, weil sie im Wesentlichen durch die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sichergestellt wird, der irrt. Die KWK kann zwar ein Beitrag zur Energieeffizienz darstellen, in Chemnitz ist dem aber nicht so. Das Chemnitzer KWK-System ist weder “sehr effizient” noch zeichnet es sich durch eine hohe Ausnutzung der eingesetzten Primärenergie aus.
  • Das Unternehmen eins behauptet in seinem Internetauftritt Folgendes: "Bei unserem Handeln sind uns Umwelt- und Klimaschutz besonders wichtig." Die faktischen hohen CO2-Emissionen durch den Braunkohleeinsatz im Heizkraftwerk Nord entlarven solche Aussagen als nicht belastbar und ohne jeglichen Bezug zur Realität. Es soll auch Leute geben, die das mit einem Wort zusammenfassen: Lüge!
  • Das Unternehmen eins hat ein Wärmeversorgungskonzept erarbeiten und mittlerweile auch vom Aufsichtsrat bestätigen lassen. Auch wenn das Unternehmen eins keine inhaltlichen Details verlautbaren lässt, deutet vieles darauf hin, dass der Erfolg fraglich sein dürfte. Zumindest dann, wenn man ein offizielles Ziel der Bundesregierung als Bewertungsmaßstab ansetzt, nämlich einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand im Jahr 2050.
  • Es verwundert, dass die vom Unternehmen eins angekündigte mehrstufige Abkehr von der Braunkohle bis zum Jahr 2029 offenbar von einer Mehrheit des Stadtrats gefeiert wird. Es wird sogar von einem "Vorzeigeenergieunternehmen" gesprochen. Leider sind Politiker*innen immer schnell dabei etwas zu feiern, wie z.B. das im Pariser Übereinkommen verankerte Ziel, den Anstieg der durchschnittlichen Erdtemperatur deutlich unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau zu halten und Anstrengungen zu unternehmen, um den Temperaturanstieg auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Aber der Weiterbetrieb des Braunkohlekraftwerkes in Chemnitz bis 2029  ist genau nicht mit der vorgenannten Zielerreichung vereinbar. Der Ausstieg aus der Braunkohle kommt zu spät.
  • Es ist ein Trauerspiel, dass zu vielen oben genannten Punkten kaum eine politische und mediale Auseinandersetzung stattfindet. Stattdessen lassen sich z. B. unzählige Presseartikel zum "bunten Schornstein" finden; einem Thema, dem es eigentlich an Relevanz fehlt. Auch das ist Chemnitz und spiegelt wider, wie diese Stadt, die Politik und die Medien ticken. Es ist ja auch so schön einfach, nur von außen auf die Dinge zu blicken (Farbe, Beleuchtung), anstatt einen Blick dahinter und die Zusammenhänge zu werfen. Und hinter der Farbe  verlassen diesen Schornstein Jahr für Jahr u. a. toxisches Quecksilber und rund eine Mio. Tonnen CO2.

 

Mit dieser Informationsseite wird das Meinungsrecht wahrgenommen und sich eingemischt.

___________________________

 

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig:
"Dabei wünsche ich mir viele Bürgerinnen und Bürger, die ... ... ihr Meinungsrecht wahrnehmen und sich in Chemnitz und für Chemnitz einmischen und mitmachen." 

(Quelle: Amtsblatt Chemnitz, 08. Januar 2014)